Systematik – triadisches System

Im Folgenden lernen wir zwei Systeme kennen, mit denen psychische Erkrankungen klassifiziert werden:

1.    Das triadische System
Es klassifiziert nach ätiologischen (ursächlichen) Gesichtspunkten

2.    Diagnostik nach ICD-10 oder DSM-V *)
Sie klassifizieren nach phänomenologischen Gesichtspunkten
(also: Symptomatik, Schweregrad, Verlauf)

*)

ICD    =    International statistical Classification of diseases der WHO
DSM    =    Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders der
American psychiatric association

Triadisches System

Obgleich das triadische System zur Diagnose nicht mehr verwendet wird, kann es immer noch zur einfachen Einteilung der psychischen Störungen herangezogen werden, da es die Störungen grundlegend sortiert und einen guten Überblick gibt.

Dieses System unterscheidet hauptsächlich zwischen Störungen psychischen Ursprungs (psychogene Störungen) und solchen körperlichen Ursprungs (Psychosen). Bei den Psychosen unterscheidet man hier noch zwischen solchen,

  • deren körperliche Ursache geklärt ist (organische Psychosen) und
  • bei denen organische Beteiligungen beobachtet werden, aber nicht vollends geklärt sind (endogene Psychosen). Hierzu gehören die Schizophrenie und die affektiven Störungen.

Nach der triadischen Einteilung unterscheidet man

  • Psychogene Störungen (abnorme Erlebnisreaktionen, Neurosen, Persönlichkeitsstörungen)
  • Organische Psychosen oder körperlich begründbare Psychosen
  • Endogene Psychosen oder (noch) nicht begründbare, körperliche Psychosen

Hauptgruppen des triadischen Systems

Organische oder körperlich begründbare Psychosen: Ihnen liegt eine körperliche Erkrankung zu Grunde; die das Gehirn primär oder sekundär schädigen kann.

  • Akute körperlich begründbare Psychosen sind meistens voll reversibel und ihr Leitsymptom ist bis auf wenige Ausnahmen die Bewusstseinsstörung.
  • Chronischen körperlich begründbaren Psychosen liegen meist primäre, selten sekundäre Hirnerkrankungen zu Grunde. Sie sind irreversibel und ihre Leitsymptome sind organische Wesensänderungen und Demenz.

Endogene Psychosen: Diese Gruppe bezeichnet alle Psychosen, deren Ursache nicht abschließend geklärt ist, bzw. deren körperliche Ursachen weitestgehend unbekannt sind. Die Schizophrenie und die affektiven oder manisch-depressiven Erkrankungen fallen in diese Gruppe. Auf Grund seiner Unschärfe sollte auf den Begriff „endogen“ heute verzichtet werden.

Psychogene Störungen: Hierzu zählt man alle Störungen, die rein psychogenen Ursprungs zu sein scheinen, wie

  • Abnorme Erlebnisreaktionen (bspw. nach Trauma),
  • Neurosen und
  • Psychopathien (Persönlichkeitsstörungen).

Heute verzichtet man auf den Begriff „psychogene Störung“ gänzlich, ebenso auf den Begriff „Neurosen“, da er sehr uneinheitlich verwendet wird.

Psychogene Störungen werden heute nach ICD-10 folgendermaßen eingeteilt:

  • Belastungs- und Anpassungsstörungen
    sind psychische Reaktionen auf akute oder chronische Stressoren, die über das normal zu erwartende Maß hinausgehen (bspw. Trauer).
  • Angst- und Zwangsstörungen
    sind z.B. Phobien und Panikattacken.
  • Konversionen oder dissoziative Störungen
    bezeichnen Abspaltungen bestimmter Gedächtnisinhalte oder Bewegungen vom Bewusstsein, also Gedächtnisverluste oder Bewegungsstörungen.
  • Somatoforme Störungen
    sind körperliche Beschwerden ohne erkennbar körperliche Ursache (z.B. Hypochondrismus).
  • Persönlichkeitsstörungen
    hierzu gehören bspw. die Borderline- oder die narzisstische Störung.

Diagnose nach dem triadischen System

Im triadischen System wurde nach der Schichtenregel Diagnostiziert. In der Reihenfolge

1.    Neurotisch-psychopathisch
2.    Manisch-Depressiv
3.    Schizophren
4.    Organisch

gibt die jeweils zuletzt diagnostizierte Störung den Ausschlag. Wird also Schizophrenie diagnostiziert, so bleibt diese Diagnose auch dann bestehen, wenn später wieder eine manisch-depressive Störung auftritt. Sie zählt dann zu den Auswirkungen der diagnostizierten Schizophrenie.

Dieses Prinzip wurde mittlerweile durch die oben bereits erwähnten Standards ICD-10 und DSM-IV abgelöst. Hier gilt das Komorbiditätsprinzip d.h., dass mehrere Symptomatiken gleichzeitig auftreten können und sich nicht gegenseitig aus- oder einschließen, wie es beim triadischen System der Fall ist.

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