Übersicht über die Geschichte der Psychologie
Im Folgenden findest Du eine kurze Übersicht über die Geschichte der Psychologie, oder besser gesagt, eine Geschichte über die Entdeckung des menschlichen Geistes und Körpers.
um 385 v.Chr. – Platon geht von angeborenen Vorstellungen aus. Er sieht das Gehirn als Sitz der mentalen Prozesse an.
um 335 v. Chr. – Aristoteles bestreitet die Existenz angeborener Vorstellungen. Er sieht das Herz als Zentrum seelischer und geistiger Funktionen.
um 40 n. Chr. – Anknüpfend an Jesus von Nazareth erhebt Paulus von Tassus durch die Verbindung jüdischen, neuplatonischen und christlichen Gedankengutes die Fähigkeit der Seele zum Glauben über den im Geist lokalisierten Verstand.
um 400 – In seinen „Confessiones“ bestimmt Augustinus die emotionale Introspektion als zentrales Mittel der Gotteserkenntnis und Welterfahrung.
um 1020 – Der persische Philosoph und Mediziner Avicenna entwirft eine differenzierte Hierarchie äußerer und innerer Sinne(soperationen).
um 1270 – Thomas von Aquin sieht die sinnliche Erkenntnis gegenüber Glaube und Verstand als gleichberechtigten Weg zur (Gottes-)Erkenntnis.
um 1330 – William von Ockham hebt die Fähigkeit des Verstandes hervor, Sinneseindrücke zu ordnen und zu kategorisieren.
1604 – Johannes Kepler beschreibt Umkehrbilder auf der Netzhaut: Er erkennt, dass das Abbild der Welt dort eigentlich auf dem Kopf zu stehen kommt. (Erst das Gehirn „lernt“ diesen Fehler zu kompensieren.)
1605 – „The Proficiency and Advancement of Learning“ (dtsch. „Über die Würde und den Fortgang der Wissenschaften“) von Francis Bacon erscheint. Er gehört damit zu den Begründern des auf die Kenntnis von Naturgesetzen gestützten Empirismus.
1637 – Der französische Philosoph und Mathematiker René Descartes, der von der Dualität von Körper und Geist und der Lehre der angeborenen Ideen ausgeht, veröffentlicht „Discours de la méthode“ (dtsch. „Abhandlung über die Methode, richtig zu denken, und die Wahrheit in den Wissenschaften zu suchen.“).
1690 – Der britische Philosoph John Locke, der Descartes‘ Ansicht von den angeborenen Ideen ablehnt und den Geist bei der Geburt mit einer Tabula rasa vergleicht, veröffentlicht „An Essay Concerning Human Understanding“ (dtsch. „Über den menschlichen Verstand“).
1774 – Der österreichische Mediziner Franz Mesmer entwickelte die Theorie des animalischen Magnetismus (später Mesmerismus und Hypnose genannt). Ab
1777 – darf er nicht mehr in Wien als Arzt praktizieren.
1775 – Der Züricher Theologe Lavater veröffentlicht den ersten der vier Bände seines Hauptwerkes „Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe“, das schon zu seinen Lebzeiten umstritten ist.
1782 – Karl Philipp Moritz veröffentlicht „Anton Reiser. Ein psychologischer Roman“. Moritz ist auch der Herausgeber des „Magazins für Erfahrungsseelenkunde“, einer ersten psychologischen Zeitschrift in Deutschland.
1793 – Philippe Pinel befreit die ersten geisteskranken Patienten von ihren Ketten im Pariser Spital Bicêtre und setzt sich für eine menschlichere Behandlung von Geisteskranken ein.
1808 – Der Mediziner Franz Josef Gall vertritt die Annahme, dass die Schädelform eines Menschen auf bestimmte Charaktereigenschaften hinweist („Phrenologie“).
1824 – Johann Friedrich Herbart veröffentlicht sein Lehrbuch „Psychologie als Wissenschaft, neu gegründet auf Erfahrung, Metaphysik und Mathematik“ und trägt damit zur Etablierung einer naturwissenschaftlich ausgerichteten Psychologie bei.
1834 – „Über den Tastsinn“ von Ernst Heinrich Weber erscheint. In dieser Schrift erläutert er das später nach ihm benannte „Webersche Gesetz“, das die Beziehung zwischen einem eben noch feststellbaren Reizunterschied und einem Standardreiz definiert.
1845 – Wilhelm Griesinger prägt die Auffassung, dass Geisteskrankheiten Gehirnkrankheiten sind, ihre Behandlung fällt damit in die Zuständigkeit der Neurologie und Psychiatrie.
1848 – Der Eisenbahnarbeiter Phineas Gage erleidet eine schwere Hirnverletzung. Während seine intellektuellen Fähigkeiten und sein Gedächtnis intakt bleiben, ändert sich seine Persönlichkeit grundlegend.
1859 – „Über den Ursprung der Arten durch natürliche Zuchtwahl“ von Charles Darwin erscheint. Das Werk fasst seine früheren Arbeiten über die Evolutionstheorie zusammen.
1860 – Begründung der Psychophysik durch Gustav Theodor Fechner mit dem Werk „Elemente der Psychophysik“. Er beschäftigt sich mit den Zusammenhängen zwischen physischen Reizen und psychischem Erleben.
1861 – Der französische Mediziner Paul Broca entdeckt ein Gebiet im linken Frontallappen des Gehirns, das von entscheidender Bedeutung für die Sprachproduktion ist („Broca-Zentrum“).
1869 – In „Hereditary Genius“ (dtsch. „Genie und Vererbung“) vertritt Francis Galton, Cousin von Charles Darwin, die Annahme, dass Intelligenz vererbt wird.
1876 prägt er den Ausdruck „nature and nurture“.
1874 – Carl Wernicke, deutscher Neurologe und Psychiater, zeigt, dass die Verletzung spezifischer Areale im linken Temporallappen die Fähigkeit, gesprochene oder geschriebene Sprache zu verstehen oder zu produzieren, stört („Wernicke-Sprachzentrum“).
1875 – Wilhelm Dilthey vertritt in „Psychologie als Erfahrungswissenschaft“ eine phänomenologisch ausgerichtete Psychologie.
1879 – Wilhelm Wundt gründet in Leipzig das erste psychologische Labor und begründet die experimentelle Psychologie. Durch diese Institutionalisierung der Psychologie schaffen er und seine Mitarbeiter die Voraussetzung für die Entwicklung des Faches im 20. Jahrhundert.
1883 – Emil Kraepelin veröffentlicht seine Klassifikation geistiger Störungen, die weltweit übernommen wird und erst in jüngerer Zeit durch neuere Klassifikationen der World Health Organization und der American Psychiatric Association abgelöst wurde.
1885 – „Über das Gedächtnis“ von Hermann Ebbinghaus erscheint. Das Werk enthält seine Forschungen zu Lernen und Gedächtnis sowie die Vergessenskurve.
1889 – Der erste internationale Psychologenkongress findet in Paris statt.
1890 – Christian von Ehrenfels veröffentlicht „Über Gestaltqualitäten“ und begründet damit die Grazer Schule der Gestaltpsychologie.
1890 – William James, Philosoph und Psychologe an der Harvard University, veröffentlicht „Principles of Psychology“ (dtsch. „Prinzipien der Psychologie“). In dieser Schrift beschreibt er die Psychologie als „Wissenschaft vom geistigen Leben“.
1892 – Gründung der American Psychological Association (APA) durch den Wundt-Schüler G. Stanley Hall.
1894 – Hermann von Helmholtz grenzt die Psychologie als eigenständiges Forschungsgebiet von der Physik und der Physiologie ab.
1896 – Gründung eines psychophysiologischen Labors in Würzburg durch Oswald Külpe. Die sog. „Würzburger Schule“ erforscht experimentell höhere geistige Funktionen.
1896 – In dem bahnbrechenden Aufsatz „The Reflex Arc Concept in Psychology“ fordert John Dewey, den Reflexbogen (an Stelle von isolierten Reizen und Reaktionen) zur grundlegenden Untersuchungseinheit zu machen. Er begründet damit die psychologische Schule des Funktionalismus.
1898 – Edward L. Thorndike stellt in „Animal Intelligence“ seine Lernexperimente mit Katzen im sog. „Problemkäfig“ dar. 1905 beschreibt er das „Law of Effects“ (dtsch. „Gesetz des Effekts“).
1900 – William Stern legt mit seiner Schrift „Über Psychologie der individuellen Differenzen“ den Grundstein zur Persönlichkeitspsychologie.
Sigmund Freud veröffentlicht „Die Traumdeutung“, sein wichtigstes theoretisches Werk über die Psychoanalyse. Bahnbrechend, obwohl heute umstritten, werden seine Theorien zum Trieb, zur menschlichen Entwicklung und zum Aufbau der Psyche. Zu seinen Schülern zählen u. a. Alfred Adler, Carl Gustav Jung und Sandor Ferenczi.
1904 – Auf dem „1. Kongress für experimentelle Psychologie“ in Gießen wird die „Deutsche Gesellschaft für Psychologie“ (DGPs) in Gießen gegründet.
1905 – Ivan Petrovitch Pawlow veröffentlicht seine ersten Studien zum klassischen Konditionieren von Tieren. Berühmt wird der „Pawlowsche Hund“, der mit Speichelfluss auf das Klingeln einer Glocke reagiert.
1905 – Wilhelm Wundt gibt die Zeitschrift „Psychologische Studien“ als Fortsetzung der „Philosophischen Studien“ heraus.
Alfred Binet und Theodore Simon entwickeln den ersten Intelligenztest.
1907 – „Das Pferd des Herrn von Osten“ von Carl Stumpf und seinem Mitarbeiter Oskar Pfungst erscheint: Das Pferd, der „kluge Hans“, konnte rechnen und schreiben: Pfungst zeigte jedoch den Einfluss nichtsprachlicher Signale des Aufgabenstellers — und damit einen unbeabsichtigten „Versuchsleitereffekt“ — auf.
1910 – Max Wertheimer beginnt in Frankfurt mit experimentellen Untersuchungen zum sog. Phi-Phänomen, eine Bewegungstäuschung, bei der abwechselnd blinkende unbewegte Lichtpunkte als ein sich bewegendes Licht wahrgenommen werden.
1911 – Carl Gustav Jung veröffentlicht “Wandlungen und Symbole der Libido”; die von Freud abweichende Libido-Theorie führt zur Trennung. Jung begründete die analytische Schule der Psychologie als eigene tiefenpsychologische Richtung.
1912 – „Über den nervösen Charakter“ von Alfred Adler erscheint. Nach der Trennung von Freud begründet Adler die tiefenpsychologische Schule der Individualpsychologie.
Max Wertheimer veröffentlicht „Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung“, Grundstein für die Theorien und Studien der Frankfurter/Berliner Schule der Gestaltpsychologie.
1913 – George Herbert Mead veröffentlicht „The Social Self“.
Wolfgang Köhler beginnt auf Teneriffa, Schimpansen zu beobachten. 1921 fasst er seine Ergebnisse in „Intelligenzprüfungen an Menschenaffen“ zusammen.
1916 – Das „Journal of Experimental Psychology“ erscheint erstmals.
1919 – John B. Watson veröffentlicht „Psychology from the standpoint of a behaviorist“, Grundlage der behavioristischen Psychologie, die die Psychologie in den USA in den nächsten Jahrzehnten bestimmen sollte.
1920 – John B. Watson und Rosalie Rayner berichten über die konditionierte Angstreaktion bei einem Kind („Der kleine Albert“).
1921 – Der Schweizer Psychiater Hermann Rorschach entwickelt das erste Formdeuteverfahren, den Rorschach-Test.
1922 – Die Zeitschrift „Psychologische Forschung“ erscheint erstmals und wird bald darauf zum zentralen Organ der Gestaltpsychologie.
1923 – Max Wertheimer legt in „Untersuchungen zur Lehre von der Gestalt“ die sog. Gestaltgesetze vor.
Der Entwicklungspsychologe Jean Piaget veröffentlicht „Denken und Sprechen des Kindes“. Piaget gilt als großer Vordenker der Entwicklungspsychologie.
Jakob Moreno veröffentlicht „Das Stegreiftheater“, ein neues gruppentherapeutisches Theaterkonzept. Der Arzt und Psychotherapeut gilt als Begründer des Psychodramas und der Soziometrie.
1926 – Gründung der „Psychotechnischen Zeitschrift“. Die Zwanziger Jahre sind die Blütezeit der Psychotechnik, die sich neben Eignungsuntersuchungen (z. B. an Straßenbahnfahrern) auch der Unfallvermeidung widmet.
1927 – „Einführung in die Technik der Kinderanalyse“ von Anna Freud erscheint. Sie diskutiert in diesem Werk die Psychoanalyse bei der Behandlung von Kindern.
1928 – „Kindheit und Jugend“ von Charlotte Bühler erscheint. Gemeinsam mit Hildegard Hetzer veröffentlicht sie später den „Bühler-Hetzer-Kleinkinder-Test“ (BHKT)
1929 – Wolfgang Köhler veröffentlicht „Gestaltpsychologie“. Das Werk enthält eine Kritik am Behaviourismus und die grundlegenden Positionen der Gestalttheorie.
Paul F. Lazarsfeld veröffentlicht sein „Statistisches Praktikum für Psychologen und Lehrer“. Nach seiner Emigration in die USA im Jahr 1935 arbeitet er dort als Rundfunkforscher und Professor für Soziologie und begründet die moderne Kommunikationsforschung.
1932 – „The Wisdom of the Body“ von Walter B. Cannon erscheint. In diesem Werk prägt er den Begriff „Homöostase“, diskutiert das Prinzip „Kampf oder Flucht“ und identifiziert hormonelle Veränderungen bei Stress.
1933 – „Die Arbeitslosen von Marienthal“ erscheint, eine inhaltlich und methodisch wegweisende Studie von Marie Jahoda, Hans Zeisel und Paul F. Lazarsfeld.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten werden durch rassistische Beamtengesetze politische Gegner und Wissenschaftler jüdischer Herkunft in die Emigration gezwungen. In der Psychologie betrifft dies etwa ein Drittel der Professorenschaft, darunter William Stern, Max Wertheimer, Kurt Lewin, Karl Duncker, Fritz Heider, Charlotte und Karl Bühler, Paul Lazarsfeld, Wolfgang Köhler. Andere werden in Konzentrationslagern ermordet (Otto Selz).
1935 – Christiana Morgan und Henry Murray entwickeln den „Thematischen Apperzeptionstest“ (TAT).
1936 – Kurt Lewin, einer der bedeutendsten Psychologen des 20. Jahrhunderts, veröffentlicht „Principles of Topological Psychology“. Neben der Feldtheorie gilt er auch als Mitbegründer einer experimentellen Sozialpsychologie und prägte den Begriff der Gruppendynamik.
Wolfgang Metzger stellt in „Gesetze des Sehens“ eine umfassende Sammlung gestaltpsychologischer Wahrnehmungsphänomene vor.
Muzafer Sherif beschäftigt sich in „The Psycholgy of Social Norms“ experimentell mit der Entstehung von Gruppennormen und stellt damit eine Verbindung von Psychologie und Soziologie her.
1938 – B. F. Skinner beschreibt in “ The Behaviour of Animals“ das operante Konditionieren bei Tieren.
Louis L. Thurstone beschreibt in „Primary Mental Abilities“ sieben grundlegende geistige Fähigkeiten.
Letzter Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie während der Zeit des Nationalsozialismus.
Sigmund Freud emigriert von Wien nach London und stirbt dort im Jahr 1939.
1939 – David Wechsler entwickelt den Wechsler-Bellevue-Intelligenztest. Auf der Grundlage dieses Tests wird später der Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Kinder (HAWIK) und der Hamburg-Wechsler-Intelligenztests für Erwachsene (HAWIE) entwickelt.
Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges stellen einige Hochschullehrer ihre Arbeit in den Dienst des NS-Regimes (u. a. wehrpsychologische Untersuchungen).
1941 – Mit der militärischen Aufrüstung im Dritten Reich finden Psychologen in den Streitkräften vermehrt Anwendungsmöglichkeiten für ihr Fach. Diese Entwicklung findet auch berufspolitisch Ausdruck: Die Diplom-Prüfungsordnung für Psychologie tritt in Kraft. Studierende können nun den akademischen Grad „Diplom-Psychologe“ erwerben.
1943 – Starke Hathaway und J. Charnley McKinley veröffentlichen den Minnesota Multiphasic Personality Inventory (MMPI).
1944 – Fritz Heider und Marianne Simmel veröffentlichen ihre experimentellen Studien zur Zuschreibung von Handlungsabsichten.
1945 – Nach der Kapitulation wurden zuerst alle Universitäten geschlossen. Einige nicht zerstörte Hochschulen konnten jedoch schon bald darauf wieder mit der Psychologie-Ausbildung beginnen.
Karen Horney kritisiert Freuds Theorie der weiblichen sexuellen Entwicklung in „Unsere inneren Konflikte“
1946 – In Hamburg wird der Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP) gegründet (heute Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen).
1948 – Alfred Kinsey und seine Mitarbeiter veröffentlichen „Das sexuelle Verhalten des Mannes“.
B. F. Skinner veröffentlicht den Roman „Walden Two“, in dem er eine fiktive Gesellschaft beschreibt, die auf positiver Verstärkung beruht.
1949 – Raymond B. Cattell publiziert den 16 Persönlichkeitsfaktoren-Test (16-PF).
Unter dem Titel „Yale Studies in Attitude and Communication“ veröffentlichen Carl Hovland und seine Mitarbeiter experimentelle Studien zur Einstellungsänderung, die ihren Ausgangspunkt in Experimenten zur Massenkommunikation an US-Soldaten während des Zweiten Weltkrieges haben.
1950 – Solomon Asch veröffentlicht seine Studien zum Konformitätsdruck in Gruppen.
Erik Erikson beschreibt in „Kindheit und Gesellschaft“ die Stadien der psychosozialen Entwicklung.
Theodor W. Adorno, Else Frenkel-Brunswik, Daniel J. Levinson und R. Nevitt Sanford beschreiben in „The Authoritarian Personality“ (dtsch. „Die autoritäre Persönlichkeit“) die Mentalität des faschistischen Perönlichkeitstypus in Anlehnung an das Konzept der „autoritären Persönlichkeit“ der Frankfurter Schule (Wilhelm Reich, Erich Fromm, Max Horkheimer, Herbert Marcuse) in den 30er Jahren.
1951 – Der Arzt und Psychoanalytiker Fritz Perls veröffentlicht „Gestalt Therapy“. Gemeinsam mit seiner Frau Lore Posner und dem Pädagogen und Philosophen Paul Goodman legt er den Grundstein für die Entwicklung der Gestalttherapie.
Der humanistische Psychologe und Psychotherapeut Carl Rogers veröffentlicht „Die klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie“.
1954 – Abraham Maslow beschreibt in „Motivation and Personality“ eine Hierarchie menschlicher Bedürfnisse.
„The Nature of Prejudice“ von Gordon Allport erscheint.
Muzafer Sherif veröffentlicht in „The Robber’s Cave Experiment“ die ersten Ergebnisse seiner Studie zu Intergruppenprozessen und -konflikten in einem Jugendlager.
Der belgische Psychologe Albert Michotte publiziert seine experimentellen Studien zur Wahrnehmung von Kausalität.
1955 – Die Psychoanalytikerin Ruth Cohn nutzt in einem Workshop erstmals die Methode der „Themenzentrierten Interaktion“. Im Vordergrund der Methode steht der Kontakt mit den Menschen, mit denen ein Thema besprochen wird.
1956 – Erich Fromm veröffentlicht „Die Kunst des Liebens“. Zwar betrachtet der Psychoanalytiker Fromm auch die im Menschen wurzelnden dynamischen Kräfte, als wesentlich erkennt er jedoch die gesellschaftlichen Verhältnisse, den „Gesellschafts-Charakter“.
George Miller veröffentlicht „The Magical Number Seven, Plus or Minus Two: Some Limits on Our Capacity for Information Processing“, und prägt den Begriff „Chunking“ für die Gedächtnisforschung.
1957 – „Gruppendynamik. Kritik der Massenpsychologie“ von Peter R. Hofstätter erscheint, eine populäre Einführung in die Sozialpsychologie.
Leon Festinger veröffentlicht „A Theory of Cognitive Dissonance“. Die Theorie der kognitiven Dissonanz regt als einflussreichste aller aus der Gestaltpsychologie hervorgegangenen kognitiven Konsistenztheorien zahlreiche empirische Studien an.
Eric Berne begründet mit der Veröffentlichung seines Artikels „Transactional Analysis: A New and Effective Method of Group Therapy“ die Transaktionsanalyse.
1958 – Lawrence Kohlberg entwickelt, aufbauend auf Piagets Arbeiten, sein Stufenmodell der Moralentwicklung.
Fritz Heider fasst in „The Psychology of Interpersonal Relations“ (dtsch. „Psychologie der interpersonalen Beziehungen“) seine Forschungsergebnisse zum interpersonalen Gleichgewicht in sozialen Beziehungen zusammen.
1959 – In seinem Artikel „The Nature of Love“ stellt Harry Harlow seine Studien zum Bindungsverhalten von Affen vor.
In „Verbal Behavior“ kritisiert Noam Chomsky Skinners behavioristischen Ansatz in der Sprachpsychologie.
Viktor Frankl veröffentlicht „Man’s Search for Meaning“ (dtsch. „… trotzdem Ja zum Leben sagen (Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager)“. Der Neurologe und Psychiater begründet die Logotherapie und Existenzanalye.
1962 – Nach dem Bau der Berliner Mauer wird die Gesellschaft für Psychologie der DDR gegründet.
Stanley Schachter und Jerome Singer publizieren erste Ergebnisse zu ihrer „Zweifaktorentheorie der Emotion“ (Emotion entsteht aus der Erregung, die auf einen Stimulus erfolgt, und der kognitiven Bewertung dieser Erregung).
1963 – Raymond B. Catell unterscheidet zwischen flüssiger und kristalliner Intelligenz.
1964 – In Dresden findet der 1. Kongress der „Gesellschaft für Psychologie der DDR“ statt, Motto „Psychologie als gesellschaftliche Produktivkraft“, dem 6 weitere Kongresse folgen.
„Behavioral Study of Obedience“ von Stanley Milgram erscheint. Dort stellt er erstmals die Ergebnisse seiner Studien zur Gehorsamsbereitschaft vor.
Mit ihrem Buch „Conjoint Family Therapy“ begründet Virginia Satir die entwicklungsorientierte Familientherapie, einen systemischen Ansatz, der auf Selbstregulierung und Wachstum der Persönlichkeit abzielt.
1966 – William Masters und Virginia Johnson veröffentlichen die Ergebnisse ihrer Studie zum menschlichen Sexualverhalten.
1967 – Ulric Neisser publiziert „Cognitive Psychology“ und leistet damit einen zentralen Beitrag zur „kognitiven Wende“ in der Psychologie.
1968 – Richard Atkinson und Richard Schiffrin unterscheiden in ihrer Dreistufentheorie des Gedächtnisses erstmals sensorisches Gedächtnis, Kurzzeitgedächtnis und Langzeitgedächtnis
Martin Irle initiiert den SFB 24 „Sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Entscheidungsforschung“ an der Universität Mannheim, einen der erfolgreichsten Sonderforschungsbereiche in der Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).
1969 – „Prinzipien der Verhaltensmodifikation“ von Albert Bandura erscheint.
1971 – Gründung der „Zentralstelle (seit 2001: Zentrum) für Psychologische Information und Dokumentation“ (ZPID) in Trier, der zentralen Fachinformationseinrichtung für die Psychologie in den deutschsprachigen Ländern.
Albert Bandura veröffentlicht seine „Social Learning Theory“ (Dtsch. „Theorie des sozialen Lernens“).
Philip Zimbardo führt an der Stanford-Universität eine Simulationsstudie zur Psychologie der Haft durch („Stanford Prison Experiment“), die aufgrund der Auswirkungen der Situation auf die teilnehmenden Studenten vorzeitig abgebrochen werden muss.
1972 – Klaus Holzkamp von der FU Berlin veröffentlicht die „Kritische Psychologie“, den Entwurf einer marxistischen Psychologie.
1973 – Karl von Frisch, Konrad Lorenz und Nikolaas Tinbergen erhalten den Nobelpreis für ihre Studien zum Verhalten von Tieren.
1974 – Die „Psychologie Heute“ erscheint als populärwissenschaftliche Monatsschrift nach amerikanischem Vorbild.
„Dichotomie und Duplizität. Grundlagen psychologischer Erkenntnis“ erscheint zum Gedächtnis an Ernst August Dölle.
1982 – Der Motivationspsychologe Heinz Heckhausen wird Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychologische Forschung in München.
1986 – Robert Sternbergs „Angewandte Intelligenz“ erscheint. Er stellt darin eine triarchische Theorie der menschlichen Intelligenz vor.
1990 – Am 3. November, einen Monat nach der Wiedervereinigung, wird die „Gesellschaft für Psychologie der DDR“ aufgelöst.
1991 – „Learned Optimism“ von Martin Seligman erscheint. Das Werk enthält die Grundgedanken der „Positive Psychology“-Bewegung. Seligmann prägte zuvor auch den Begriff „Erlernte Hilflosigkeit“.
1994 – Der Psychologe Klaus Grawe veröffentlicht mit „Psychotherapie im Wandel. Von der Konfession zur Profession“ die erste umfassende Metaanalyse zur Wirksamkeit verschiedener Psychotherapieschulen.
1999 – Das Psychotherapeutengesetz (PsychThG) tritt in Deutschland in Kraft und regelt den Beruf des Psychologischen Psychotherapeuten und den des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten.
2004 – In Göttingen feiert die Deutsche Gesellschaft für Psychologie ihr 100jähriges Bestehen.
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