{"id":2573,"date":"2015-12-07T17:15:08","date_gmt":"2015-12-07T15:15:08","guid":{"rendered":"http:\/\/mein-pegasus.de\/?p=2573"},"modified":"2024-03-16T11:33:01","modified_gmt":"2024-03-16T10:33:01","slug":"systematik-und-diagnostik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hppsycho.de\/mediathek\/2015\/12\/07\/systematik-und-diagnostik\/","title":{"rendered":"Systematik und Diagnostik"},"content":{"rendered":"<div id=\"node-8\" class=\"section-1\">\n<p><strong>Systematik <\/strong><\/p>\n<p>Es liegt in der Natur der Menschen und vor allem der Wissenschaft, Wissen zu strukturieren. Dazu ist die Systematik da. Fr\u00fcher wurden die psychischen Krankheitsbilder im triadischen System strukturiert. Hier wurden die St\u00f6rungen nach ihren Ursachen beurteilt, n\u00e4mlich<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Die rein psychischen Ursachen (bspw. Neurosen)<\/li>\n<li>Die rein k\u00f6rperlichen Ursachen (bspw. Demenz) und<\/li>\n<li>Die nicht gekl\u00e4rten Ursachen (affektive und schizophrene St\u00f6rungen)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Letztere nannte man \u201eendogen\u201c. Endogen bedeutet \u201eim K\u00f6rper selbst gebildet; aus anlagebedingten Gegebenheiten entstehend\u201c. Das bedeutet, dass man eine k\u00f6rperliche Komponente bei der Entstehung vermutet, allerdings nicht schl\u00fcssig nachweisen kann. Seit einigen Jahren hat man sich von dieser Strukturierung verabschiedet, vermutlich eben auch auf Grund der wenig genauen Beschreibung, besonders der endogenen Ursachen.<\/p>\n<p>Das derzeit g\u00fcltige System, nach dem psychische Erkrankungen eingeteilt werden ist die ICD-10. Sie wurde von der Weltgesundheitsorganisation ausgegeben und hat den Blick nach den Ursachen von psychischen St\u00f6rungen ersetzt durch die objektive Beschreibung selbiger. Sie hat f\u00fcr jedes Krankheitsbild eine \u00e4u\u00dfere Beschreibung, die mit Nummern gekennzeichnet ist und bei der Diagnosestellung verwendet werden kann.<\/p>\n<p><strong>Diagnostik <\/strong><\/p>\n<p>Bevor eine endg\u00fcltige Diagnose abgegeben wird, erfolgt eine Anamneseerhebung. Sie beginnt mit dem ersten Kontakt mit dem Patienten und wird gefolgt von einer Befragung. Hier erz\u00e4hlt zun\u00e4chst der Patient, danach stellt der Therapeut Fragen und schlie\u00dflich kann der Patient eventuell fehlende Punkte erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p>Die Befragung durch den Therapeuten erfolgt unter anderem nach den Richtlinien der ICD-10. Aus der Befragung ergibt sich der Befund, der dann schlie\u00dflich zur Stellung der Diagnose und der Differentialdiagnose f\u00fchrt. Au\u00dferdem k\u00f6nnen Testverfahren (bspw. ein Intelligenztest) durchgef\u00fchrt werden, die einen Befund sichern.<\/p>\n<p>Die Differentialdiagnose beschreibt m\u00f6gliche andere Ursachen f\u00fcr den Zustand des Patienten, also m\u00f6gliche andere Krankheitsbilder. Die Differentialdiagnostik wird dann herangezogen, wenn keine eindeutige Zuordnung zu einem Krankheitsbild besteht bzw. wenn andere, komorbide, Krankheitsbilder in Frage kommen.<\/p>\n<p>Zur Diagnose werden die Elementarfunktionen abgefragt. Dies sind die beobachtbaren grundlegenden psychischen Funktionen, deren St\u00f6rung auf bestimmte Krankheitsbilder hinweisen. Die Elementarfunktionen und ihre St\u00f6rungen sind:<\/p>\n<p><strong>Denken <\/strong><br \/>\nDie \u201eDatenverarbeitung\u201c im Kopf. Das Zusammenf\u00fcgen von Informationen. Formale Denkst\u00f6rungen beeinflussen die Art und Weise, WIE wir denken. Unser Denkablauf kann hier gehemmt oder zerst\u00fcckelt sein. Inhaltliche Denkst\u00f6rungen beziehen sich auf das, WAS wir denken. Am h\u00e4ufigsten sind Fehlinterpretationen, wie sie beim Wahn oder Zwang vorkommen.<\/p>\n<p><strong>Wahrnehmung <\/strong><br \/>\n\u00c4u\u00dfere oder auch innere Reize, die wir mit unseren Sinnen aufnehmen. Bei einer gest\u00f6rten Wahrnehmung nehmen wir entweder Reize auf, die keine \u00e4u\u00dfere Ursache haben (Halluzinationen) oder wir deuten \u00e4u\u00dfere Reize um (Illusionen). Ebenso k\u00f6nnen gest\u00f6rte Sinnesorgane ein \u201efalsches\u201c Bild unserer \u00e4u\u00dferen Welt liefern.<\/p>\n<p><strong>Bewusstsein <\/strong><br \/>\nDie F\u00e4higkeit, aufgenommene Reize, inklusive uns Selbst, bewusst wahrzunehmen. Unsere Bewusstseinskapazit\u00e4t kann durch Schlaf oder schlaf\u00e4hnliche Zust\u00e4nde (bis hin zum Koma) quantitativ vermindert sein oder es ist qualitativ eingeschr\u00e4nkt, bspw. durch Delir oder Demenz.<\/p>\n<p><strong>Orientierung <\/strong><br \/>\nOrientierung beschreibt die F\u00e4higkeit, uns selbst und die Situation, in der wir uns befinden, einordnen zu k\u00f6nnen. Ist die Orientierung gest\u00f6rt, fehlen uns bestimmte oder auch alle Koordinaten zu unserer derzeitigen Situation, wie Ort, Zeit, Situation oder Person.<\/p>\n<p><strong>Affekt <\/strong><br \/>\nAffekt beschreibt unser gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfiges Befinden. Eine St\u00f6rung der Gef\u00fchle bewirkt, dass wir zu wenig oder zu viel f\u00fchlen, also niedergeschlagen oder gereizt sind. Auch k\u00f6nnen Gef\u00fchle au\u00dfer Kontrolle geraten, nicht mehr zugeordnet werden oder gleichzeitig auftreten und somit nicht mehr eindeutig sein.<\/p>\n<p><strong>Antrieb und Motorik <\/strong><br \/>\nAntrieb bezeichnet die Motivation, etwas zu tun. Motorik bezeichnet die F\u00e4higkeit, uns k\u00f6rperlich angemessen zu bewegen Eine Antriebsst\u00f6rung kann uns jede Motivation rauben oder uns \u00fcbermotiviert machen. Ist die Motorik gest\u00f6rt, bewegen wir uns gar nicht mehr, zu wenig oder unsere Bewegungen entziehen sich unserer Kontrolle.<\/p>\n<p><strong>Ged\u00e4chtnis <\/strong><br \/>\nUnser Ged\u00e4chtnis speichert Erfahrungen und macht Sie uns sp\u00e4ter per Erinnerung wieder zug\u00e4nglich Bei einer Ged\u00e4chtnisst\u00f6rung fehlt entweder die F\u00e4higkeit, Erfahrungen zu speichern (Merkf\u00e4higkeit) oder Sie zu Erinnern.<\/p>\n<p>Die St\u00f6rung der verschiedenen Grundfunktionen geben uns wichtige Hinweise auf die Art der St\u00f6rung und auf die Prognose und Therapie. Besonders St\u00f6rungen des Bewusstseins, der Orientierung und der Merkf\u00e4higkeit lassen an eine organische St\u00f6rung denken. Sie geh\u00f6rt grunds\u00e4tzlich medizinisch abgekl\u00e4rt, bspw. durch bildgebende (z.B. Computertomographie) aber auch andere z.B. labordiagnostische Verfahren. Hierzu ist nat\u00fcrlich eine \u00dcberweisung zum Arzt notwendig.<\/p>\n<\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Systematik Es liegt in der Natur der Menschen und vor allem der Wissenschaft, Wissen zu strukturieren. Dazu ist die Systematik da. Fr\u00fcher wurden die psychischen Krankheitsbilder im triadischen System strukturiert. 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